Johannespassion – J. S. Bach

Johannespassion2Klosterkirche Erlenbad, Erlenbadstr. 75,  77880 Sasbach
Sonntag, 06.April.2014, 17.00 Uhr

Marcio Soares-Holanda
(Tenor-Evangelist)
Jean-Bernard Arbeit
(Bass-Christus)

Dorothea Rieger (Sopran)
Alexandra Gühring (Sopran)
Christophe Laporte (Altus)
Markus Auerbach (Bass)

Musiciens sans frontières Alsace-Ortenau
Singakademie Ortenau
Choeur St-Guillaume Strasbourg

Olaf Fütterer (Dirigent)


Bachs Johannes-Passion
Ein Wechselbad der Emotionen
Singakademie Ortenau zeigte in der Klosterkirche Erlenbad eine reife Vorstellung:

08. April 2014

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© Daniela Busam

80 Sänger und 18 Musiker hatten die Johannes-Passion einstudiert.
Die am Sonntag von der Singakademie Ortenau in der Sasbacher Klosterkirche Erlenbad präsentierte Johannes-Passion begeisterte die zahlreichen Zuhörer. Trotz der Teilnahme renommierter Solisten wurde der Chor zum Star des Abends, hatte er doch den Löwenanteil der virtuos entfesselten Dramatik des genialen Meisterwerks zu schultern.
Sasbach. Bei der Uraufführung der Johannes-Passion am Karfreitag 1724 in der Leipziger Nikolai Kirche musste sich Bach mit einem runden Dutzend Sängern des Thomanerchors begnügen. In der festlich illuminierten Klosterkirche Erlenbad standen dagegen 80 Choristen bereit. Das Großaufgebot der Singakademie Ortenau wurde durch ein Dutzend meist männlicher Chormitglieder des Straßburger »Chœur de
St. Guillaume« verstärkt. Sogar Edlira Priftuli, die das Werk in Straßburg einstudierte und am 18. April, 16 Uhr, in der Eglise St. Guillaume dirigiert, reihte sich kollegial in die Reihe der Sopranistinnen ein.
Bereits der Anfang der Johannes-Passion erschütterte. Aus der kreisförmig um den Orgelpunkt wogenden Sechzehntelbewegung der Streicher und den dissonanten Haltetönen der Bläser, ließ Dirigent Olaf Fütterer die durch Mark und Bein gehende Anrufung »Herr, Herr, Herr« wie ein Donnerschlag himmelwärts streben. »Herrscher, herrlich, verherrlicht« heißt es in dem in einen Sechszeiler eingebetteten Eingangsvers, dessen hoffnungsvolle Ausrichtung den Zuhörer in der Folge an den Anfang der Leidensgeschichte Christi katapultiert. Der Komponist löst hier ein Wechselbad höchst dramatischer Emotionen aus.
Schönheit und Süße
Als besinnliche Ruheinseln wirken allein die sensibel zelebrierten Choräle der Passion. Die beiden Verse von »Wer hat dich so geschlagen?« zum Beispiel, für die Bach die bekannte Melodie des Liedes »Innsbruck, ich muss dich lassen« von Heinrich Isaac einfügte, ertönten in einer bezwingenden Schönheit und Süße. Die bittere Pille der Schuld des Individuums an Christi Tod, weil sich beim Menschen die Sünden so zahlreich wie die Sand-Körnlein des Meeres finden, konnte so besser geschluckt werden.
Wiederholt lenkt Bach das Bewusstsein des Zuhörers auf das eigene Herz und Handeln und lässt die Gemeinde die Passion als erlösende Katharsis durchleiden. »Christus, der uns selig macht«, singt der großartig agierende, dynamisch bestens abgestimmte Chor bekräftigend oder – in der Arie der Sopranistin – das leicht tänzerisch interpretierte »Ich folge dir mit freudigen Schritten«.
Der in Brasilien geborene und seit 2000 in Frankreich lebende Tenor Marcio Soares Holanda bewältigte als Evangelist die Hauptlast der Solostimmen mit Bravour. Neben ihm glänzten Jean-Bernard Arbeit (Bass, Christus) und Christoph Laporte (Altus). Aber auch Markus Auerbach (Bass) und die beiden Sopranistinnen Dorethea Rieger und Alexandra Gühring waren stimmlich ausdrucksstark disponiert. Das 18-köpfige Orchester, zu dem unter anderem Konzertmeister Michael Klett, Rupert Piper (Violine) und Roman Kühn (Orgel) gehörten, verstand es die von technischen Feinheiten nur so wimmelnde Komposition beseelt und ausgereift vorzutragen.
Kaum war der Abend vorbei, ging die Singakademie Ortenau schon wieder auf die Suche nach neuen Chormitgliedern. Am 15. November soll das Mozart-Requiem im Erlenbad aufgeführt werden. »Wer mitsingen will, sollte sich so bald wie möglich melden«, sagt Singakademie-Vorsitzender Dieter Simon, Kontakt: 0 78 41/2 53 21

Autor: Wolfgang Winter