2018 Vaughan Williams A Sea Symphony

Herbstkonzert 2018 der Singakademie Ortenau e.V.

St-Paul Strasbourg   Sa. 17.11.2018           19.00 Uhr
St-Matthieu Colmar So. 18.11.2018           17.00 Uhr

Vox Rheni – Ein europäisches Gedenkkonzert zum Ende des 1. Weltkrieges 1918 – 2018

Programm:

Dance macabre („Totentanz“)
Sinfonische Dichtung für Orchester von Camille Saint-Saëns

A Sea Symphony
Ein Chorsinfonie für Solisten, Chor und Orchester von Ralph Vaughan Williams

 Abendlied – Motette von Joseph Gabriel Rheinberger op. 69/3 (1855/2005, rev. 2014) für Chor und Orchester in der Fassung  von Johannes X. Schachtner

Baba Yetu „Vater unser“
für Solo, Chor und Orchester von Christopher Tin

Nathalie de Montmollin, Sopran; Dominic Burns, Bariton

Collegium vocale Strasbourg-Ortenau
Singakademie Ortenau
als Gast der Lloyd’s Choir London
Musiciens sans frontières Alsace-Ortenau
Olaf Fütterer, Dirigent

Preiskategorien 30/26/22 über www.reservix.de  Tickets hier

Internationale Aufführung „A Sea Symphony“ erntet frenetischen Beifall

Singakademie Ortenau, Straßburger CVSO und Londoner Lloyd’s Choir

In der majestätischen Kulisse der neugotischen protestantischen Paulskirche (Eglise Saint-Paul) in Straßburg  veranstaltete die Singakademie Ortenau, das Collegium Vocale Strasbourg-Ortenau (CVSO) gemeinsam mit dem Londoner Lloyd‘s Choir unter der Gesamtleitung von Olaf Fütterer am 17.11.2018 nicht nur einen musikalischer Abend voller unvergesslicher Momente, sondern auch ein bewusstes Hinwenden zu grenzüberschreitenden Begegnungen anlässlich des Gedenkens an das Ende des ersten Weltkriegs.  Musikalisch begleitet wurden die Chöre von den „ Musiciens Sans Frontières Alsace-Ortenau“. Das farbig stimmungsvoll ausgeleuchtete Chorgewölbe wurde vollständig durch die imposante Anzahl der Sängerinnen und Sänger ausgefüllt. Gemeinsam mit dem davor im Altarraum platzierten großen Orchester  ergab sich ein prächtiges Bild, das während des Konzertes zu einem klanglichen Ganzen verschmolz.

Das Orchester eröffnete den Abend stimmungsvoll mit Camille Saint-Saëns „Danse Macabre – Totentanz“. In ihr wird programmatisch und klanglich mit suggestiven Mitteln eine phantastisch nächtliche Friedhofsszene geschildert mit der Macht des Todes auf bzw. über das Leben der Menschen. Leise tragend beginnend, steigerte sich das orchestrale Gedicht mit dissonanten Klängen unter Verwendung von Tritonen zu einem Spannung erzeugenden Wechselspiel  zwischen Streichern und Bläsern, um über abstürzende Melodiekaskaden und Crescendi in die Agonie des Todes zu einem friedlichen Ende zurückzukehren.

Den Kernteil des Konzertes bildete die  „A Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams, eine Sinfonie über die Meere, die Seefahrt und die Seeleute. deren Uraufführung 1910 beim Leeds Festival fast gleichzeitig zu Mahlers  8. Sinfonie stattfand. Beiden gemeinsam ist, dass es sich um Sinfonien handelt, bei der der Chor ein ständiges Element und ein integrierter Bestandteil der Partitur ist. Textvorlage ist der Gedichtzyklus von Walt Whitman „Grashalme – Leaves of Grass“.  In diesem Werk wird die universelle Verbundenheit aller Menschen besungen. Neben den Flaggen der einzelnen Nationen wird ein Banner auf dem Meer wehen, „ein geistig gewobenes Zeichen aller Nationen, das Bild des über den Tod erhabenen Menschen“.

Die Sinfonie folgt dem üblichen sinfonischen Aufbau in vier Sätzen: schnelle Einleitung, langsamer Satz, Scherzo und Finale.

  • A Song for All Seas, All Ships – Ein Lied für alle Meere und alle Schiffe (Bariton, Sopran und Chor)
  • On the Beach at Night, Alone – Allein nachts am Strand (Bariton und Chor)
  • Scherzo: The Waves – Die Wellen (Chor)
  • The Explorers – Die Entdecker (Bariton, Sopran und Chor)

Unterstützt wurde das Ensemble hierbei stimmgewaltig durch die Sopranistin Nathalie de Montmollin, die durch Engagements in Münster, Braunschweig, Berlin oder Lausanne europaweit Aufmerksamkeit erregte. Ebenso durch den englischen Bariton Dominic Burns, der während seiner gesamten Karriere regelmäßig als Oratorien- und Konzertsolist konzertierte und sich 2006 dem Chor der Opéra National du Rhin anschloss.

Mit einem kräftigen Anfangsakkord des gesamten Ensembles geht das Schiff musikalisch zunächst in Moll, später in Dur, vom schützenden Hafen in die raue See, wobei im Zwiegespräch mit zum Teil getragenen Klängen, mit Frage und Antwort- Passagen zwischen Solisten und Chor der Abschied von namenlosen Helden in die Weite des Meeres  symbolisiert wird. Im zweiten, langsameren Satz folgte ein stimmungsvolles Bild, „Nachts am Strand“, das, von Hörnern, Celli und Kontrabass getragen und mit dem Zusammenspiel von Bariton und weiblichen Chorstimmen, die ruhig daliegende See beschreibt, um zum Schluss mit der stimmgewaltigen Fülle des Chors in einer gewissen Spannung die Einsamkeit der sich über alles legenden Nacht darzustellen. „Wellen“, ist das Motiv des dritten Satzes. Hin und her wogend wird im Wechselspiel von Chor und Orchester die aufschäumende und wieder abnehmende Gischt beschrieben, wobei der Chor das tragende Element bildet, das im wieder aufbrausenden Sturm endet. Im vierten Satz „ Die Erforscher“ wird mit schwebenden Elementen die Schöpfung betrachtet und stille Gedanken von Zeit und Raum und Tod führen zum Glauben an Gott.

Das Publikum ist gespannt, staunend, voller Erwartung, lauscht dem vielstimmigen bestimmenden Chor und den Holzbläsern, während sich das restliche Orchester zurückhält. In violettes und blaues Licht getaucht halten die Solisten Zwiesprache in wohlklingendem Duett, das schließlich schwebend mit den Klängen der Streicher zum Ende hin gleitet. Letztlich  mündet das Werk in die Botschaft  „ O meine mutige Seele! O segle weiter, weiter, weiter!“

Aus den Gesichtern aller Beteiligten lässt sich unschwer die Freude am Gesang und der hervorragend gelungenen Darbietung ablesen. Olaf Fütterer ist es gelungen, die drei Chöre zu einer Einheit zu formen, mit einer Präzision, die schon fast als professionell bezeichnet werden kann.

„Das Abendlied“ von Josef Gabriel Rheinberger wirkte dagegen schon fast beruhigend und besänftigend nach der wilden Fahrt durch die stürmische See. Das Publikum war dankbar dafür und wurde mit dem Lied „Baba Yetu“  ( Vater Unser) aus der Feder von Christopher Tin, durch eine  afrikanische, freudige Stimmung mit lebhaften , fröhlichen Freudenschreien des englischen Chormitgliedes Kathrin Harveson, die lange in Südafrika gelebt hat,  in den Abend entlassen.

Nicht anhalten wollender, frenetischer Beifall und Standing Ovations des sehr zahlreich erschienenen Publikums, die die Kirche fast zum Erschüttern brachte, war der Dank für eine hervorragende Darbietung und der Lohn für die großen Mühen und den hohen Aufwand für die Proben und die umfangreiche Logistik zur Vorbereitung des Events.

Schlussendlich hatte „Kapitän“ Olaf Fütterer – um in der Seefahrersprache zu bleiben- alle Klippen der nicht einfachen Literatur souverän umschifft und war sichtlich zufrieden mit der Leistung seiner „Crew“. Es folgte ein Da Capo des Konzerts am Folgetag in Colmar in der Eglise Saint- Matthieu, wo das Publikum gleichfalls große Begeisterung zeigte.

 Text: Klaus Schoenenberg; Fotos: Dominik Spannocchi